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Die goldenen Handschellen

Posted by on August 27, 2012

goldene Handschellen auf grauem Grund

„Wir arbeiten mehr als die Sklaven im Römischen Reich, obwohl wir überzeugt sind extrem frei zu sein.“ Antoin Fornés

Zugegeben, es ist nicht einfach seiner Leidenschaft zu folgen, seinen Traum zu leben, und den goldenen Sicherheitskäfig zu verlassen.

Wer kennt das nicht: Die nächste Gehaltserhöhung ist da und am Ende des Monats bleibt wieder nichts übrig. Mit mehr verdientem Geld – mehr Ausgaben: ein neue Uhr, vielleicht ein stärkeres Auto, Schuhe oder doch eine neue Couch…

Es versteht sich wie von selbst, dass man mit höherem Gehalt nicht mehr Geld und die damit interpretierte Freiheit hat, sondern die schir unerklärbare Eigendynamik des konsumierens uns festhält in Strukturen die uns nicht bewusst sind.

Strukturen die ihre Ecken und Kanten zeigen, wenn wir innerlich schmerzverzerrt im Konjunktiv darüber senieren was in der Vergangenheit, wo man noch alles tun und lassen könnte, was man wollte, so einzigartig war, und was sein wird, wenn wir genug Geld haben, um das zu tun was wir wirklich wollen. Manche Menschen spielen dieses „Trauer – Spiel“ bis zur Pension.

Für viele Menschen in den Breitengraden der westlichen Welt bedeuten Freitag und Samstag Nacht, beziehungsweise die 2 mal 2 Wochen Magic Life (!) Cluburlaub (wo man sich am besten um nichts kümmern muss und  den Traum des 24 Stunden all you eat, leben darf), das größte Erlebnis in einer grauen 60 Stunden Arbeitswochen Welt.

Gefangen im Hamsterrad! Geknebelt durch die Hypothek auf´s Eigenheim. Gefesselt an die Ketten der Stautussymbole!

Geschickt eingefädelt von Marketing und Werbung, lässt sich Homo consumens Mund–Geist und Körper – tot machen und legt sich dabei selbst die goldenen Handschellen gierig, mit Schaum vor dem Mund, an.

Was braucht man nicht alles zum „guten“ Vip und Sternchen Leben für Jedermann:

Versicherungen, Autos, Schmuck, Handys, Klingeltöne, Golfbags, Restaurants, PC´s, Laptops, … (der Plural dieser Auflistung ist selbsterklärend!)

Um zu leben? Was bedeuted zu Leben? Glücklich sein? Spass haben? Wie auch immer das jeder für sich definiert, aber ich habe gelernt was man zum Erleben braucht: Kleidung, ein Dach über den Kopf und Nahrung. (Ich denke egal wie man sich anstellt besonders in Österreich hat man das sicher.)

Unter diesem Aspekt nimmt die Wahrnehmung der Welt eine interessante Wende.

Nicht mehr getrieben vom defizitären Denken des „Nicht genug habens – Nicht genug seins“  treten unglaubliche Veränderungen ans Tageslicht und das Staunen über „The Nature of Beauty“ des Seins kann beginnen.

Neonlichter aus. Vorhang auf. Sonne rein. Im Einklang mit Ressourcen, den Tag nutzend, mit Sinn, Freude und Humor ausgestattet beginnen die Farben der Einfachheit die Wände der grauen Maschinen Welt auszumalen.

Jetzt aber langsam, in der Hoffnung dem Killerargument zuvorzukommen:

„Du hast leicht reden, sitzt im Westen mit deinem Iphone, Internet, usw. und beginnst zu missionieren, obwohl du Teil dieses Systems bist und davon profitierst. Und auserdem was ist schlecht an Luxus?“

Zugegeben ich bin kein asketischer Mönch und will es auch nicht werden und schon garnicht will ich irgendjemanden missionieren.

Trotzdem ist es hilfreich die Trennschärfe von Nutzen und Status für sich selbst zu erkennen, um der modernen Sklaverei mit einem spitzbübischen Grinsen zu entgegnen.